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Maa Adventure Safaris

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Kenya - Traumreise zu den Savannen Afrikas - August 2005

Große Safari durch einige der wunderbaren Nationalparks Kenyas, eingerahmt von einem Hotelaufenthalt an der südlich von Mombasa gelegenen Diani Beach, von wo aus wir zu weiteren Tagesausflügen starteten

- Fünfter Teil -

Zweiter Safaritag: Tsavo East - Nairobi

Am nächsten Morgen weckten uns bereits um 5:30 Uhr die Weckrufe für verschiedene andere Gäste, denn es handelte sich um einen Lodge-Mitarbeiter, der draußen auf dem Gang entlanglief und an die Türen klopfte. Da das Gebäude sehr hellhörig und ansonsten alles still war, bekamen wir diese und selbst die weiter entfernten Weckrufe noch mit. Um 5:45 Uhr standen wir dann auf und erhielten pünktlich fünf Minuten später unseren eigenen Weckruf. Da es recht kühl war, verzichteten wir beim morgendlichen Duschen aufs Haarewaschen, denn wir wollten uns keinesfalls mit noch feuchten Haaren im Fahrtwind eine Erkältung holen.

Morgenrot am Wasserloch der Voi Wildlife Lodge

Kurz nach 6:30 Uhr hatten wir bereits den Ausblick auf das in ein fantastisches Morgenrot getauchte Wasserloch bewundert und waren nun beim Frühstück, das wieder in Buffetform aufgebaut war. Eier und Omelettes waren zwar auch im Angebot, es standen jedoch schon diverse Gäste vor dem Koch in einer Schlange, so dass wir uns aus Zeitgründen auf Weißbrot mit Marmelade und ein paar gebackene Bohnen beschränkten. Bis der Kellner Tee, Kaffee und ein Soda für unsere jüngste Mitreisende gebracht hatte, tranken wir schon einmal einen Fruchtsaft. Genau wie die Getränke zum gestrigen Abendessen mussten wir auch jetzt das Soda extra zahlen, was wir vorsorglich direkt erledigten, um später nicht unnötig durch das Warten auf den Kellner aufgehalten zu werden.

Da heute morgen viele - wir hatten fast den Eindruck: alle - Gäste auscheckten, fragten wir erst gar nicht nach Kofferträgern, sondern baten stattdessen Cliff, den wir in der Eingangshalle trafen, doch mit dem Bus auf einem der Wege so weit wie möglich in Richtung unseres Gebäudes zu fahren, damit wir dann dort das Gepäck einladen könnten. Schilder verboten zwar, diese Wege zu befahren, aber Cliff schilderte einem der Rezeptionsmitarbeiter das Problem und durfte dann auch den Weg befahren. Sowie alles aus den Zimmern war, ging ich mit den Schlüsseln schon zum Auschecken, während die anderen sich um das korrekte Verstauen des Gepäcks kümmerten (Reisetaschen und alle Rucksäcke bis auf einen ins Heck, diesen Rucksack, Jacken, Hüte, Ferngläser und Kamerataschen in den Innenraum). Das Auschecken erwies sich aus unerklärlichen Gründen als eine recht umständliche Prozedur, wenn man denn erst einmal an den Kassenschalter vorgedrungen war. Alles in allem verließen wir die Lodge gegen 7:20 Uhr trotzdem nur eine gute Viertelstunde später als geplant.

Genau wie gestern Nachmittag war das Dach des Busses schon vor der Abfahrt in der Lodge hochgeklappt worden und auch jetzt fuhren wir wieder durch das nur wenige hundert Meter entfernte Voi Gate in den Tsavo East Nationalpark. Direkt hier am Gate sahen wir einige hübsche Frankoline, die wir fälschlicherweise für Gelbhalsfrankoline hielten, welche wir ja gestern schon gesehen und fotografiert hatten. Cliff sagte jedoch, es sei eine andere Frankolinart - doch da war die Gelegenheit zum Foto auch schon wieder vorbei.

Ein Klippschliefer im Tsavo East Nationalpark

Dafür gelang es uns jetzt, einen Klippschliefer zu fotografieren, der auf einem der Felsen in den Voi Hills saß. Diese etwa hasengroßen Tiere, deren Swahili-Name 'Mbusi Mawe' oder auch 'Pimbi' lautet, sind geschickte Kletterer und leben auf steinigen Berghängen und inselartigen Felsrücken in den Savannen Kenyas und Tanzanias. Aber sie sind auch am Mount Kenya und am Kilimanjaro (dort bis in eine Höhe von 5.500 Metern) anzutreffen. Kaum zu glauben, dass diese kleinen, in allen Grautönen gefärbten, kräftigen Tiere mit kurzen Beinen und ohne Schwanz die nächsten Verwandten der mächtigen Elefanten sind!

Marabus auf Beutesuche - der rechte Vogel hatte gerade einen Frosch gefangen (Tsavo East Nationalpark)

Wir kamen nun wieder an die wegen der defekten Wasserleitung feuchte Stelle, in deren Nähe wir gestern die beiden Löwinnen gesehen hatten. Das Wasser trat hier wohl schon seit langer Zeit aus der Erde, denn es hatte sich bereits ein grüner Bewuchs aus Gräsern und Schilf gebildet. Gerade waren einige Marabus am Rand der Wasserpfützen auf Beutesuche und es gelang uns sogar, den Fang eines Frosches im Foto festzuhalten.

Auf der Weiterfahrt sahen wir noch einige Zebras, Elefanten und einen Sekretär, von dem uns jedoch leider kein brauchbares Foto gelang. Ein afrikanischer Büffel lief fast direkt vor uns über den Weg und blieb dann stehen - allerdings in äußerst ungünstigem Gegenlicht, so dass wir erst gar nicht versuchten, ihn zu fotografieren. Außerdem waren hier viele DikDiks, weitere Marabus, ein paar Perlhühner und viele kleinere Vögel unterwegs.

Zwei mächtige Elefanten im Tsavo East Nationalpark Landschaft im Tsavo East Nationalpark

Mächtige Elefanten - immer wieder faszinerend!

Landschaft im Tsavo-East Nationalpark mit schier endlosen, roten Lateritwegen.

Nach einiger Zeit passierten wir den Mundana Rock, einen großen, langgestreckten, flachen Felsen, der aus dem relativ dichten Gebüsch aufragte und wie eine Miniausgabe des australischen Ayers Rock aussah. Ganz oben auf dem Felsen bewegte sich etwas und durch die Ferngläser konnten wir erkennen, dass es sich um einen dort entlang laufenden Menschen handelte. Nun war es nicht mehr allzu weit bis zum Manjani Gate, das wir etwa um 8:45 Uhr erreichten. Während wir die dortigen Toiletten aufsuchten, klappte Cliff das Dach des Busses wieder herunter, denn wir verließen hier den Nationalpark und fuhren auf der 'Mombasa Road', der vielbefahrenen Fernstraße A 109 zwischen Nairobi und Mombasa, weiter. Doch bevor wir wieder starteten, füllten wir noch eines der extra für diesen Zweck mitgenommenen Plastiktütchen mit roter Tsavo-Erde und steckten auch noch drei kleine Steinchen dazu.

Auf superguter Asphaltstraße ging es dann in Richtung Nairobi. Auf beiden Seiten der Straße lag weiterhin der Tsavo Nationalpark: links Tsavo West, rechts Tsavo East. Dementsprechend sahen wir immer wieder mal Zebras oder auch Steppenpaviane recht nahe an der Straße stehen. Cliff zeigte uns das auf der rechten Seite in einiger Entfernung verlaufende Yatta-Plateau, einen fast 300 Kilometer langen, erkalteten Lavastrom, der steil in die Ebene abfällt.

Nun bogen wir nach Emali, einer kleinen, geschäftigen Stadt mit auffallend vielen Tankstellen ab. Auch Cliff hielt an einer dieser Tankstellen und wir bemerkten neidvoll, dass hier in Kenya das Tanken nicht wie bei uns in Selbstbedienung zu erledigen ist, sondern dass diese Aufgabe ein Tankwart übernimmt und man bequem im Auto sitzen bleiben kann. Gezahlt wird ebenfalls direkt am heruntergekurbelten Autofenster, so dass man den Wagen gar nicht verlassen muss. Während wir hier warteten, beobachteten wir den lebhaften Obst- und Gemüsehandel einiger Frauen auf der anderen Straßenseite. Ein Schuster fertigte und verkaufte die beliebten Sandalen aus ausgedienten Autoreifen, die wir aus einer Fernsehdokumentation kannten und hier in Kenya auch schon an den Füßen einiger Männer gesehen hatten.

Straßenszene mit Obst- und Gemüseverkäuferinnen in Emali Schusterwerkstatt für Autoreifen-Sandalen in Emali

Auf der Weiterfahrt kamen wir später durch vereinzelte Dörfer und Cliff erzählte, dass wir uns nun im Akamba-Land befänden. Die Akamba seinen einer von insgesamt 42 kenianischen Stämmen, von denen die Touristen jedoch meist nur die bekanntesten, nämlich die Maasai und die Samburu kennen würden. Die Gegend hier war durch kargen, roten Boden geprägt, auf dem nur vereinzelte Sträucher wuchsen, von denen auch nur manche ein paar grüne Spitzen aufwiesen. Die Häuser - oder besser Hütten - waren aus roten Ziegeln erbaut; manche dieser Ziegel waren gebrannt, manche ungebrannt. Die Gebäude aus ungebrannten Ziegeln wurden nur von den Dächern aus Palmstroh oder Wellblech davor bewahrt, beim nächsten Regen wieder auseinander zu fallen. Wir sahen relativ viele Baobab-Bäume, aber auch diese waren alle ganz kahl. Hier und da hüteten Jungen ein paar Ziegen und Kühe. Cliff sagte, in dieser Gegend habe es seit anderthalb Jahren nicht mehr geregnet und wir fragten uns, wie die Menschen es fertigbrachten, unter diesen Bedingungen zu überleben.

Jetzt folgte eine viele Kilometer lange Baustelle. Die deutsche Straßenbaufirma Strabag erneuerte hier die wichtige Fernstraße zwischen Nairobi und Mombasa. Hier und da hatten wir Glück und durften auf dem glatten neuen Asphalt fahren, aber meistens ging es auf der benachbarten Schlagloch-Piste entlang. Die Fahrt war recht eintönig und einschläfernd und wir litten unter dem vielen Staub, der trotz der geschlossenen Fenster hereindrang und sich auf unsere Atemwege legte. Hauptverursacher dieses Staubes waren die extrem vielen LKWs, die teilweise riesige schwarze Abgaswolken hinter sich herzogen. Die Ortschaften direkt an der Straße bestanden aus Shops, Bars und Tankstellen; alles sehr einfach und wegen des allgegenwärtigen Staubes auch sehr schmutzig. Vor und hinter den Orten folgte jeweils ein breiter Streifen, auf dem Unmengen von einfach weggeschmissenen Plastiktüten auf den Feldern lagen und in den Sträuchern hingen.

Ein anderer Private Safari -Bus stand mit einem Platten am Straßenrand. Cliff hielt an und half seinem Kollegen beim Reifenwechsel, was nur etwa 10 Minuten dauerte, dann konnten beide Safaribusse weiterfahren. Um 11:20 Uhr lasen wir auf einem Schild, dass wir bis Nairobi noch 142 Kilometer zurücklegen mussten. Etwas später machte uns Cliff darauf aufmerksam, dass jetzt auf der linken Seite das Maasai-Land begann. Die Landschaft wechselte von karg mit kaum Vegetation zu einer Art Buschland mit vielen einzelnen grünen, in der Mehrzahl stacheligen Büschen. Später sahen wir auch immer wieder Bereiche mit vielen Bäumen - hohe Fieberakazien mit ihren charakteristischen, gelben Stämmen und ausladenden Kronen. Sie wachsen nur in Gebieten mit hohem Grundwasserspiegel, an Seeufern und in Flusstälern. Und genau diese Flusstäler gab es hier, allerdings meistens ausgetrocknet und nur hier und da sahen wir mal einen ein wenig Wasser führenden Flusslauf.

Schon relativ nahe an Nairobi herangekommen, lag rings um uns eine gelbe Steppenlandschaft mit viel weniger Büschen. Hier sahen wir auch die ersten luxuriösen Wohnhäuser: gemauerte, noch recht neue, kompakte Villen mit Rundbögen, Erkern und roten Dächern, umgeben von hohen Mauern ... Der Kontrast zu den äußerst ärmlichen Dörfern wenige Kilometer weiter südlich war schon recht extrem. Um 14 Uhr waren wir immer noch in Richtung Nairobi unterwegs und seitlich der Straße sahen wir jetzt immer mehr Industrieansiedlungen.

Gegen 14:30 Uhr erreichten wir schließlich das in einem Vorort von Nairobi gelegene Mamba Village, ein großes Restaurant mit angegliederten Tiergehegen. Wir verbinden das Wort 'Mamba' automatisch mit einer Schlange, aber hier in Kenya bezeichnet das Swahili-Wort 'Mamba' das Krokodil. Auf dem Parkplatz standen zahlreiche Touristenbusse und wir ahnten schon, was hier auf uns zukommen würde. Drinnen im Restaurant fand dann auch eine 'Schnellabfertigung' von großen Massen an Touristen statt. Eine Suppe wurde am Tisch serviert, alles weitere holte man sich von einem Buffet. Die Qualität dieser Speisen war wie zu erwarten, nicht gerade hervorragend. Auch die Sauberkeit der Tische und des Buffets ließ arg zu wünschen übrig. Nicht genug, dass man in einem riesigen Raum mit vielen durcheinander redenden Menschen saß, nein, es gab auch noch 'Unterhaltung' in Form von einer aus Tänzern und Musikern bestehenden, elektronisch auf große Lautstärke gebrachten 'original afrikanischen' Musikgruppe.

Anschließend ging es in einer etwa 14-16 Köpfe zählenden Gruppe deutschsprachiger Touristen zusammen mit einem Führer des Mamba Village durch die Gartenanlagen und um einen kleinen See herum zu einem Straußengehege, wo wir die Tiere mit Gemüseblättern füttern durften. Es war schon beeindruckend, mit welcher Kraft die Strauße, wenn sie ruckartig nach dem Blatt geschnappt hatten, daran zogen. Dann wurde noch eine kleine Krokodilanlage besucht, die jedoch keinen besonderen Eindruck auf uns machte. Insgesamt hätte man sich das Ganze auch gut schenken können.

Nun fragten wir Cliff, der mit anderen Private Safari -Fahrern zusammensaß, ob wir denn jetzt endlich zum Karen Blixen Museum fahren könnten. Die Fahrer antworteten nahezu einstimmig, das sei seit einigen Monaten nicht mehr im Safariprogramm enthalten. Glücklicherweise hatten wir uns vorhin beim Essen mit einem anderen Paar unterhalten und wussten, dass die beiden den Reiseprospekt dabeihatten. Also wurde dieser Prospekt geholt und somit konnten wir schwarz auf weiß beweisen, dass das Museum sehr wohl auf dem Programm stand, das wir gebucht hatten. Die Fahrer hatten allerdings Bedenken, dass sie die Eintrittsgelder nicht erstattet bekämen. Doch das ließ sich relativ leicht regeln: wir würden den Eintritt selbst zahlen und ihn nächste Woche, wenn wir wieder im Papillon Lagoon Reef waren, von der Reiseleitung zurückverlangen. Damit waren die Fahrer einverstanden, und weil außer uns nur noch ein Paar aus der Schweiz dorthin wollte, nahmen wir sie in unserem Safaribus mit.

Die Fahrt ging in den noblen Vorort Karen, benannt nach der Schriftstellerin Karen (Tania) Blixen, die hier von 1914 bis 1931 gelebt hat. Wir fuhren schon bald an parkartigen Anwesen vorbei, auf deren Begrenzungshecken Stacheldraht angebracht war und an deren Toren große, gut sichtbare Schilder der diese Anwesen bewachenden Sicherheitsfirmen prangten. Einst wohnten hier die reichen britischen Kolonialherren; heute gehören diese Villen fast ebenso reichen Kenianern. Dann bogen wir in die für diese Gegend eher spartanisch wirkende Einfahrt zum Karen Blixen Museum ein und hielten wenig später auf dem kleinen Parkplatz, von dem aus man schon zum Haus hinüber schauen konnte.

Karen Blixen Museum, Nairobi

"Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngongberge. Hundert Meilen nördlicher lief der Äquator durchs Hochland, aber die Farm lag in einer Höhe von über zweitausend Metern. Da spürt man tagsüber die Höhe, die Nähe der Sonne, aber die Morgenfrühe und die Abende sind klar und friedvoll, und die Nächte sind kalt." Mit diesen Worten beginnt Tania Blixens berühmtes Memoirenbuch 'Afrika, dunkel lockende Welt', das ein halbes Jahrhundert nach seinem Erscheinen mit Meryl Streep, Robert Redford und Klaus Maria Brandauer in den Hauptrollen als 'Jenseits von Afrika' verfilmt und zu einem Welterfolg wurde.

Direkt vor uns lag nun das als Museum zu besichtigende Haupthaus der ab 1914 vom schwedischen Baron Bror von Blixen-Finecke und seiner dänischen Frau Karen Christentze, geborene Dinesen, aufgebauten Kaffeefarm. Bror brachte den Titel, Karen, die auch Tanne oder Tanja genannt wurde, das Geld mit in die Ehe. Die Blixens wohnten zuerst in einem bescheidenen Ziegelbungalow mit vier quadratischen Zimmern und einer kleinen Veranda. Erst 1917 kauften sie dieses damals inmitten von Wäldern gelegene stattliche, aus Feldsteinen errichtete Herrenhaus von Åke Sjögren, dem schwedischen Konsul in Kenya, von dem sie vier Jahre zuvor auch die Farm erworben hatten. Die Einheimischen nannten dieses Haus 'Mbogani', was auf Swahili 'im Wald' bedeutet, und die Blixens übernahmen diesen Namen. Ihre afrikanischen Jahre waren geprägt von privaten und wirtschaftlichen Schwierigkeiten; erstere führten dazu, dass sie sich schnell auseinanderlebten und 1922 schließlich scheiden ließen. Letztere führten zum Bankrott der Kaffeefarm im Jahr 1931, woraufhin Karen Blixen ihren gesamten Besitz, darunter auch die Möbel und einen Großteil der Gebrauchsgegenstände ihres Hauses, verkaufen und nach Dänemark zurückkehren musste.

Karen Blixen Museum, Nairobi

Außer diesem aus dem Film 'Jenseits von Afrika' bekannten Haus und dem es umgebenden, parkartigen Garten ist von der ehemaligen, 600 Hektar großen Farm nichts mehr erhalten. Wo einst die Kaffeebüsche standen, befindet sich nun ein Golfplatz. Nur eine Straße entlang des ehemaligen Airstrips heißt bis heute Nzige Road - Nzige ist das Swahili-Wort für Heuschrecke und Nzige war der Name der Gypsy Moth, des leuchtend gelben Flugzeuges von Denys Finch Hatton, dem Mann, der Karen Blixens große Liebe war und der nur kurze Zeit, bevor sie Afrika für immer verließ, mit ebendiesem Flugzeug tödlich verunglückte.

Nachdem wir am Eingang 700 KSH Eintritt gezahlt hatten (Erwachsene 200, Kinder 100 KSH), betraten wir die heute mit einem Mix aus wenigen Originalstücken und anderem, den nicht mehr vorhandenen Originalen möglichst ähnlichem und aus der gleichen Zeit stammendem Inventar sehr schön eingerichtete Villa. Viele Jahre vor der Öffnung des Museums zu Karen Blixens 100. Geburtstag im Jahre 1985 suchten die Organisatoren des kenianischen Nationalmuseums überall nach den neuen Besitzern der damals von der Autorin veräußerten Gegenstände. Später wurden sie von Mitarbeitern der Filmgesellschaft Universal Pictures unterstützt, die für die Verfilmung des Buches durch ganz Afrika reisten, um den Nachlass zu finden. Anhand von Fotos und mit Hilfe von Karen Blixens altem Koch Kamante wurde alles so arrangiert, wie es damals gewesen war.

Leider durfte man im Inneren des Gebäudes nicht fotografieren und ich weiß auch gar nicht mehr, ob wir überhaupt nach Ansichtskarten gefragt haben. Das Haus mit seinen großzügigen Veranden, den großen Sprossenfenstern und dem Fachwerk im oberen Teil gefiel uns ausnehmend gut und auch die nach wie vor edel und gleichzeitig urgemütlich wirkende Einrichtung fanden wir sehr schön. Wer hier allerdings die aus dem Film bekannten Räumlichkeiten erwartet, wird enttäuscht, denn die Innenaufnahmen entstanden alle in einem Filmstudio, während hier am Originalschauplatz nur die Außenaufnahmen gedreht wurden. An den Wänden des Flures und eines Zimmers waren zahlreiche Fotos von Familienmitgliedern und Freunden, Dokumente und auch Kopien einiger von Karen Blixen gemalten Kikuyu-Portraits zu bewundern. Auch in den übrigen Räumen hingen und standen Fotos, darunter auch manche der originalen Einrichtung, so dass man das heutige mit dem damaligen Inventar vergleichen konnte.

Karen Blixen Museum, Nairobi

Als ich im Sommer 2001 an Karen Blixens schlichtem Grab unter einem Baum im Park von Rungstedlund, ihrem dänischen Geburtsort, stand, hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich einmal hierher in ihr afrikanisches Haus kommen würde.

Nachdem wir auch das Innere des kleinen, durch einen langen, überdachten Gang mit dem Haupthaus verbundene Küchenhauses betrachtet hatten, spazierten wir durch den einst sicherlich sehr hübsch angelegten, heute jedoch etwas verwahrlost wirkenden Garten. Von der großen Rasenfläche aus wanderte unser Blick automatisch zu den - zu unserer Überraschung doch noch recht weit entfernten - Ngongbergen, die tatsächlich wie die Knöchel an einer Hand wirkten.

Zurück am Parkplatz, fuhren wir nun in Richtung Innenstadt. Da wir ja wegen des Problems mit unserem X-Drive noch in die Einkaufspassage mussten, fragten wir Cliff, wie lange die Geschäfte hier in Nairobi geöffnet hätten. Er meinte, die meisten würden um 17 Uhr schließen, was uns sehr erschreckte, denn jetzt war es schon 17:30 Uhr und bis zum Hotel würden wir wegen des sehr starken Verkehrs wohl auch noch etwa 20 Minuten brauchen. Wir hatten allzu selbstverständlich angenommen, dass in einer kenianischen Großstadt ähnlich lange Öffnungszeiten üblich seien, wie bei uns zu Hause. Also blieb uns nichts weiter übrig, als darauf zu hoffen, dass die Läden in dem von den Amerikanern genannten SARIT-Einkaufszentrum doch noch etwas länger geöffnet seien.

Cliff fuhr uns direkt vor den Eingang des Einkaufszentrums, wo wir gegen 17:50 Uhr zu zweit hinaussprinteten und in den ersten Elektronik-Shop hineineilten. Dort hatten sie kein Mini-USB-Kabel und schickten uns weiter bis fast ganz ans Ende der Passage, dort sei ein spezieller Computerladen. Zum Glück war das gesuchte Kabel dort vorrätig und wir durften auch einen ihrer Computer benutzen, um die Daten vom X-Drive auf eines der Laufwerke des Rechners zu kopieren. Der Rechner zeigte an, dass sich 6,3 Gigabyte auf dem X-Drive befänden, es wären also tatsächlich noch 32,7 Gigabyte frei gewesen, an die wir aber über die normale Datenübertragungsfunktion nicht herankamen. Das Kopieren der Daten auf die Platte des Computers sollte 24 Minuten dauern, dazu kam dann natürlich noch die Zeit, die wir für das Formatieren des X-Drives und das Zurückkopieren der Daten benötigen würden. Eigentlich schloss der Computershop um 18 Uhr, aber wir konnten die beiden Angestellten überreden, so lange mit uns hier zu bleiben, bis wir diese Arbeiten erledigt hatten. Natürlich erkannten sie unsere Zwangslage und ließen sich ihre Zeit fürstlich entlohnen, doch wer sollte ihnen verdenken, dass sie diese Gelegenheit nutzten?

Einer von uns ging hinaus und sagte den anderen Bescheid, dass wir hier noch eine Weile beschäftigt sein und dann ins Jacaranda-Hotel, das wirklich genau gegenüberlag, nachkommen würden. Mit der Formatierung des X-Drives gab es leichte Schwierigkeiten, aber auch diese konnten schließlich behoben werden und wir begannen damit, die Daten von der Festplatte des Computers zurück aufs X-Drive zu kopieren. Mitten drin hatte das X-Drive plötzlich keinen Strom mehr, so dass ich loslief und das entsprechende Ladekabel aus dem Hotel holte. Da es eine Weile dauerte, bis ich durch den verwinkelten Hotelgarten zur Rezeption gefunden hatte, dort die Zimmernummern erfuhr, nach oben telefonieren und dann schließlich hochgehen durfte, war bei meiner Rückkehr in den Computershop bereits die Festplatte aus dem X-Drive ausgebaut und direkt an den Computer angeschlossen worden, der sie nun mit Strom versorgte.

Nachdem alle Daten zurückübertragen waren, versuchten wir, die Daten von meiner SD-Card auf das X-Drive zu übertragen. Das Gerät erkannte zwar die Karte, konnte aber nichts kopieren, wobei nun allerdings eine andere Fehlermeldung angezeigt wurde als gestern. Mit dem Microdrive war es genau das gleiche und wir vermuteten, dass es wohl daran lag, dass wir die Formatierung mit der falschen, zu hohen Windows-Version durchgeführt hatten. Aber eine niedrigere Version wäre hier eh nicht verfügbar gewesen. Wirklich zu dumm, dass wir neben sämtlichen Verbindungskabeln auch die Beschreibung des X-Drives zu Hause gelassen hatten! Das Einzige, was wir jetzt noch tun konnten, war den Inhalt der beiden Speicherkarten über einen Kartenleser auf den PC und von dort aus auf das X-Drive zu kopieren. So hatten wir nun wenigstens wieder 2 Gigabyte Speicherplatz frei, auf die wir uns jetzt aber auch bis zum Ende der Safari beschränken mussten.

Ein Security Guard des Hotels hatte mir vorhin einen Schleichweg durch den Lieferanteneingang gezeigt und gesagt, ich solle auf dem Rückweg nur ans Tor klopfen, dann würde mir geöffnet. Und genau so war es. Wir holten die anderen beiden aus einem unserer Zimmer ab und fragten dann an der Rezeption, wo wir gut und nicht allzu teuer zu Abend essen könnten. Sie empfahlen den hauseigenen 'Pizza-Garden' schräg gegenüber, zu dem uns einer der Sicherheitsleute hinüber geleitete. Wenn wir wieder zurück wollten, sollten wir dem Kellner Bescheid sagen, dann käme er oder einer seiner Kollegen und würde uns zurück begleiten. Wir bekamen einen Tisch oben auf einer Art Empore, bestellten verschiedene Pizzen, die sich alle als qualitativ sehr gut erwiesen und tranken dazu Bier bzw. Mineralwasser. Unserer Rekonvaleszenten ging es heute abend erheblich besser und wir hofften, dass sie morgen vielleicht schon völlig beschwerdefrei sein würde.

Hier im Restaurant saßen bis auf wenige Ausnahmen nur Kenianer und wir fanden es sehr schön, zur Abwechslung mal nicht unter lauter Touristen zu sein. Man merkte übrigens deutlich, dass wir uns hier im Hochland befanden - die Nacht war nicht mehr warm und mild wie an der Küste und auch noch in Tsavo East, sondern recht kühl und wir waren froh, unsere Jacken mitgenommen zu haben. Ein Stück weiter hatten einige Gäste ein hochbeiniges Gußeisen-Gestell mit einem Kohlefeuer neben dem Tisch stehen. Nachdem sie gegangen waren, brachte einer der Kellner dieses Gestell zu den Kenianern an unserem Nachbartisch, die elegant, aber recht dünn gekleidet waren und wohl schon nach dem Feuer gefragt hatten. So ein schönes Kohlefeuerchen könnten wir zu Hause auch gut für kühlere Sommerabende brauchen!

Nachdem wir gezahlt hatten und zum Ausgang des Restaurants gingen, sprach uns ein dort wartender Security Guard an und geleitete uns nicht nur über die Straße, sondern auch noch den kurzen Weg durch den Hotelgarten bis zum Hoteleingang. Diese große Vorsicht machte mich dann doch etwas nachdenklich - vorhin war ich völlig unbekümmert mit ziemlich viel Geld in der Tasche ganz alleine in der Dunkelheit über die Straße und durch den Hotelgarten gelaufen. Wobei 'gelaufen' wörtlich gemeint ist, denn ich wollte ja schließlich so schnell wie möglich wieder zurück im Computershop sein. Wahrscheinlich waren alle potentiellen Diebe so sehr damit beschäftigt gewesen, über das merkwürdige Verhalten dieser Mzungu den Kopf zu schütteln, dass sie gar keine Zeit hatten, zu überlegen, ob es sich wohl lohne, mich zu überfallen.

Gegen 22 Uhr waren wir zurück in unseren Zimmern. Jetzt noch schnell geduscht, Haare gewaschen und während meine Zimmergenossin, die das bereits am frühen Abend erledigt hatte, im Fernsehen die Übertragung einer Leichtathletik-Veranstaltung aus Helsinki anschaute, hielt ich noch den Rest des heutigen Tages in meinem Tagebuch fest. Wie immer schrieb ich ja auch bereits tagsüber bei jeder sich bietenden Gelegenheit schon ein wenig hinein und war selbst erstaunt, dass ich sogar auf den holprigen kenianischen Straßen noch einigermaßen lesbare Eintragungen fertigbrachte. Licht aus um 22:50 Uhr.

Dritter Safaritag: Nairobi - Maasai Mara

Um 5:30 Uhr am nächsten Morgen weckte uns das Klingeln des Telefons - gut, dass wir abends an der Rezeption diesen Wakeup-Call bestellt hatten, denn den Wecker hatte ich zwar ausgepackt und aufgestellt, aber vergessen, ihn zu aktivieren. Nachts gegen 3:30 Uhr war ich mit Bauchschmerzen und Übelkeit aufgewacht, hatte fast eine Stunde im Bad verbracht und mich anschließend wieder hingelegt, aber nur noch gedöst. Kurz nach 6 Uhr trafen wir uns dann draußen auf dem Flur, um gemeinsam zum Frühstück zu gehen. Dieses wurde in einem pavillonartig in den Garten gebauten, schön eingerichteten Restaurantgebäude serviert. Alles hier im Hotel war eigentlich sehr schön, nur hatten wir bisher noch gar keine Zeit gehabt, das zu registrieren. Die Frühstücksbuffets boten alles, was das Herz begehrt. Es gab beispielsweise sieben oder acht verschiedene Fruchtsäfte, ein großes Müslibuffet, Brötchen und Brot in verschiedenen Ausführungen, Eier in jeder gewünschten Form und alles sah wirklich sehr gut aus. Einziges Manko war die anfängliche Abwesenheit jeglichen Hotelpersonals, so dass wir erst recht spät unseren Tee, Kaffee und Mineralwasser bestellen konnten. Da mir immer noch schlecht war, aß ich nur zwei trockene Brötchen zum Tee und auch die anderen verschmähten die warmen Gerichte und hielten sich an Brot und Brötchen mit Honig und Marmelade.

Nun schnell noch mal auf die Zimmer, dann mit allen Sachen runter zu Rezeption und ausgecheckt. Auch hier ging es viel schneller, die Taschen selbst zu tragen als auf die zu dieser Tageszeit vielbeschäftigten Kofferträger des Hotels zu warten. Einer plötzlichen Eingebung folgend, erbat ich mir im Hotelshop eine Plastiktüte, die ich als Übelkeits-Sicherheit in meine Jackentasche steckte. Mir war nämlich nicht klar, wie gut oder schlecht es mir jetzt beim Autofahren gehen würde und außerdem hoffte ich auf den Regenschirm-Effekt, den diesen braucht man ja auch nie, wenn man ihn dabei hat.

Etwa um 7:15 Uhr starteten wir zur etwa 5 1/2 Stunden langen Fahrt in die Maasai Mara. Am Stadtrand von Nairobi fing es kurz an zu regnen, dazu herrschte recht dichter Nebel, welcher zum Glück jedoch auch nicht lange andauerte. Wir fuhren jetzt stetig bergauf und gegen 8 Uhr erreichen wir den Rand des Great Rift Valleys, des großen Afrikanischen Grabenbruches, der sich wie ein gewaltiger Riss durch den afrikanischen Kontinent zieht. In Äthiopien teilt er sich in den Zentralafrikanischen Graben (Western Rift Valley), der durch Uganda und Tanzanias Westen verläuft, und in den Ostafrikanischen Graben (Great Rift Valley), der vom Norden Kenyas bis ins nördliche Tanzania reicht. Auf dem Grund beider Gräben liegen zahlreiche Seen: beim Great Rift Valley sind dies der Turkana-, Baringo-, Bogoria-, Nakuru-, Elmenteita-, Naivasha-, Magadi-, Natron-, Manyara- und der Eyasi-See.

Panorama-Blick über das Rift Valley, montiert aus 5 Einzelfotos

Von unserem Aussichtspunkt in luftiger, etwa 2.400 Meter über dem Meeresspiegel gelegener Höhe bot sich uns ein fantastischer Rundblick über das Great Rift Valley, das oben im Norden Kenyas am Turkanasee über 300 Kilometer breit ist. Am Lake Baringo befindet sich die mit etwa 70 Kilometern schmalste Stelle des riesigen Grabenbruchs. Dessen Talsohle liegt am Turkanasee in einer Höhe von 400 Metern und steigt bis zum Lake Nakuru auf 2.000 Meter an. Die Landmassen zu beiden Seiten des Grabens driften jährlich um 2 cm auseinander, so dass der Ostteil irgendwann einmal vom afrikanischen Kontinent abbrechen wird. Wir fanden es sehr beeindruckend, hier oben am Rand zu stehen und über das weite, flache Tal zu schauen. Rechts ragte der mitten im Rift Valley gelegene Mount Longonot auf. Mit einer Höhe von 2.777 Metern ist der Vulkan, aus dessen großem Krater auch heute noch Rauchschwaden aufsteigen, der dritthöchste Berg Kenyas. Seinen Namen erhielt er nach dem Maasai-Wort 'oloonong`ot', das 'Berg der vielen Vulkankegel' bedeutet.

Auf der Weiterfahrt führte die Straße dann bald in Serpentinen bergab und wir fuhren an wunderbaren Kakteenwäldern vorbei hinunter ins Rift Valley. Die Kakteen waren große, 10 bis 15 Meter hohe Kandelabereuphorbien; richtige Bäume mit dicken Stämmen und dichten Kronen aus sukkulenten, vielfach gegabelten Ästen. Leider haben wir es versäumt, diese ungewöhnlichen Wälder in einem Foto festzuhalten, aber wir fuhren jetzt ziemlich schnell bergab und dann war die Gelegenheit auch schon wieder vorbei.

Flötenakazien

An der auf 1.850 Metern Höhe gelegenen Kreuzung Maai Mahiu, was in der Maasai-Sprache 'heiße Quelle' bedeutet, bogen wir nach Westen in Richtung Narok ab. Rings um uns war nun eine flache, mit niedrigen Akazienbüschen bestandene Ebene. Bei einem Halt erklärte Cliff uns, warum diese kleinen, strauchartigen, mit bis zu 6 cm langen, grau-weißen Dornen 'gespickten' Bäume den Namen Flötenakazien tragen: An der Basis vieler Dornen befindet sich eine dunkle, stark aufgeblasene, kugelige Auftreibung mit von kleinen Ameisen gebohrten Löchern. Wenn der Wind durch diese Löcher der Hohlkugeln weht, entsteht ein andauerndes Pfeifgeräusch, dem die Akazien ihren Namen verdanken. Bei näherer Betrachtung sahen wir, dass überall auf der Akazie Ameisen wimmelten und auch an den Löchern der Kugeln ein reges rein und raus von Ameisen stattfand.

Etwas später hielten wir an einem Souvenirshop, um die dortigen Toiletten zu benutzen. Während wir uns dann noch im Shop umsahen, trank Cliff in der kleinen Cafeteria einen Tee und unterhielt sich mit ein paar anderen Fahrern. Die Souvenirshops fungieren als Treffpunkte, da hier alle Safarifahrzeuge Station machen - der Shop stellt die Toiletten zur Verfügung und die Safarifahrer bringen potentielle Kundschaft für die Waren im Souvenirshop. Allerdings beobachteten wir auch hier wieder, dass die meisten Touristen nur schauten und kaum jemand etwas kaufte. Da war an der Theke, wo man Wasser, Softdrinks und Snacks wie z. B. afikanische Kartoffelchips kaufen konnte, schon eher etwas los.

Die allgemeine Kaufunlust lag sicherlich zum Teil an der oft nur schlechten Qualität der angebotenen Holztiere, Figuren und Masken, aber in der Mehrzahl der Fälle wohl einfach daran, dass die Verkäufer horrende Preise verlangten, die man nur mit hartnäckigstem Handeln auf 'normale' Beträge herunterbekommen hätte. Dazu kam dann noch, dass die wenigsten Touristen (uns eingeschlossen) gewohnt sind, zu handeln. Außerdem hatten wir uns ja bereits letzte Woche an der Küste nach verschiedensten Holztieren umgesehen und wussten daher, dass dort das Preisniveau erheblich unter den hier geforderten Preisen lag. Wir hatten zum Beispiel in einer Boutique am Diani Beach Hornringe zu 50 KSH das Stück gekauft (ohne zu handeln) - hier verlangte der Verkäufer für 11 Ringe 9.500 KSH, also etwas mehr als 860 KSH pro Stück. Dass die Ringe, die wir trugen, nur 50 KSH gekostet hätten, wollte er uns nicht glauben und zog sich schließlich auf das Argument zurück, seine Ringe seien ja auch aus einem anderen Material. Unser Versuch, ihm und einigen anderen, sich wie Kletten an unsere Fersen heftenden Verkäufern zu erklären, dass sie anstatt nur ab und zu einem wirklich ahnungslosen Touristen etwas völlig überteuertes anzudrehen, viel mehr verkaufen könnten, wenn sie von Anfang an geringere Preise fordern würden, war natürlich ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt.

Weiter ging es auf einer meistens ganz guten, nur hier und da mal über einen längeren Zeitraum holprigen, allerdings fast überall recht staubigen Straße durch die erst noch ziemlich flache, mit Büschen bestandene Landschaft, in der nur selten mal ein höherer Baum aufragte. Später wurde die Gegend langsam immer bergiger und stieg dann sogar recht steile Hänge hinauf. Etwa um 10:30 Uhr waren wir in Narok, der Maasai-Stadt, die uns auf Anhieb sehr gut gefiel, denn hier herrschte ein ganz anderes Flair, alles war irgendwie freundlicher und wir ärgerten uns im Nachhinein sehr, dass wir hier kein einziges Foto einer Straßenszene gemacht haben. Während Cliff den Wagen auftankte, kauften wir in einem Lebensmittelladen einige Flaschen Wasser zu erheblich niedrigeren Preisen als in den Souvenirshops. An der Kasse hatten sie auch eine ganze Auswahl von Hornringen. Diese kosteten jeweils 45 KSH und wir legten uns gleich noch 8 Stück davon zu.

Sekenani Gate des Maasai Mara National Reserves

Etwa eine Stunde später hielten wir nochmals an einem Souvenirshop zu einer Toilettenpause. Auch hier wieder das gleiche Bild: die Leute wanderten durch die langen Reihen ausgestellter Ware, fragten nur hier und da mal nach einem Preis und wandten sich dann gleich ab, wenn sie die horrende Preisforderung hörten. Auf der Weiterfahrt war die Straße zuerst noch recht gut, wandelte sich dann aber ziemlich schnell in eine schlimme Holperpiste. Das Wetter war übrigens den ganzen Morgen über immer besser geworden und als wir gegen 12 Uhr das Sekenani-Gate des Maasai Mara National Reserve erreichten, war es schön warm und sonnig.

Nachdem Cliff die Formalitäten erledigt hatte und unser Dach wieder aufgeklappt war, durften wir hineinfahren. Ab und zu sahen wir weidende Kühe und Ziegen, begleitet von in traditionelle rote, rot-gestreifte oder rot-karierte Maasaitücher gekleideten Hirten. Das im Südwesten Kenyas an der Grenze zu Tanzania gelegene, 1961 eingerichtete Maasai Mara National Reserve ist 1.672 Quadratkilometer groß und etwa 500 Quadratkilometer davon genießen den Status eines besonders geschützten Nationalparks. Zusammen mit dem auf tanzanischer Seite gelegenen Serengeti Nationalpark ist dieses zusammenhängende, insgesamt 25.000 Quadratkilometer große Reservat eines der letzten Refugien, in denen Millionen von Tieren frei und ungehindert umherziehen können. Die Konzentration wilder Tiere entspricht heute in etwa wieder derjenigen des 19. Jahrhunderts.

Mit Ausnahme des Nationalparkbereiches der Mara dürfen die halbnomadisch lebenden Maasai überall im National Reserve umherziehen und ihre Herden weiden. Ihre eigentlichen Wohn- und Weidegebiete wurden jedoch nach außerhalb des Schutzgebietes verlegt. Natürlich gibt es dabei immer wieder Probleme wie z. B. Löwen, die Rinder reißen oder die strittige Frage, ob die Maasai bei extremer Trockenheit ihre Tiere auch ins innere Schutzgebiet führen dürfen. Aus Sicht der Nationalparkverwaltung geht es bei letzterem weniger darum, dass sich Nutz- und Wildtiere knappes Futter und Wasser teilen, sondern mehr darum, dass Krankheiten von den Rindern auf die Wildtiere übertragen werden und sich dann seuchenartig ausbreiten könnten.

Eine Ahnung der Tiefe dieser Interessenkonflikte hatten wir gestern abend in dem Computershop in Nairobi 'hautnah' bekommen, als wir den Angestellten erzählten, wir wollten heute in die Maasai Mara und von der Einzigartigkeit dieses Schutzgebietes und den darin lebenden Tieren schwärmten. Sie entgegneten nämlich prompt, dass dies das Land der Maasai sei und es nicht sein könne, dass diese große Teile ihres Gebietes nicht mehr nutzen und noch nicht einmal die Löwen töten dürften, die ihre Herden angriffen, nur damit den Touristen ein scheinbares Tierparadies vorgeführt werden könne.

Ein Leberwurstbaum im Maasai Mara National Reserve

Nicht weit vom Gate entfernt stand ein großer, stattlicher Leberwurstbaum, dessen graubraune, bis zu einem Meter lange, etwa 18 cm dick und bis zu 10 kg schwer werdende, allerdings ungenießbare Früchte uns sehr beeindruckten.

Wir fuhren nun zur an den Berghängen der Ngama Hills am Ostrand der Maasai Mara gelegenen Mara Sopa Lodge, wo wir etwa um 13 Uhr ankamen. Genau wie die Voi Wildlife Lodge in Tsavo East liegt auch die Mara Sopa Lodge außerhalb des National Reserves, jedoch nicht wie diese direkt an dessen Rand, sondern leider ein ganzes Stück davon entfernt.

Auch hier bekamen wir erst einmal ein warmes, feuchtes Handtuch zum Abwischen des Staubes von Gesicht und Händen sowie einen gekühlten Orangensaft als Welcome-Drink gereicht. Während wir uns in dem kreisrunden Rezeptionsbereich umsahen, kümmerte sich Cliff um unsere Zimmer und händigte uns dann zwei Schlüssel aus. Einer hatte ein 'normales' Holzettikett mit der eingeschnitzen Nummer 20, während der andere Schlüssel nur einen angehängten 'Zettel' mit der handschriftlich vermerkten Nummer 102 trug. Wir waren enttäuscht, nicht nebeneinander zu wohnen, aber Cliff sagte, sie hätten hier wohl Probleme mit den Zimmern.

Also folgten wir unseren jeweiligen Kofferträgern in entgegengesetzte Richtungen. Nummer 102 lag ziemlich weit entfernt und war auch kein Zimmer in einem der normalen, runden Gästebungalows, in denen jeweils zwei Zimmer nebeneinander lagen. Es handelte sich vielmehr um die eine Hälfte eines schlichten, am oberen Rand der Lodgeanlage, direkt über dem Wäschetrockenplatz (und mit 'Aussicht' auf ebendiesen) gelegenen Hauses, das schon von außen recht schäbig aussah. Innen befand sich ein ganz kleines Wohnzimmer mit anschließender Küche sowie ein Schlafzimmer und dahinter das Bad. Die Möbel waren ebenfalls recht schäbig und das Ganze sah uns doch stark nach einer Verwalterwohnung aus. Wir sagten dem Hotelmitarbeiter, dass uns diese Wohnung nicht gefiele und wir sie nur dann nehmen würden, wenn die 'normalen' Gästezimmer in den runden Bungalows auch so aussähen.

Das Gepäck vorerst mal hier stehen lassend, wanderten wir nun zur Nummer 20, die sich als erheblich besser ausgestattetes Zimmer erwies. Also kehrten wir zur Rezeption zurück, um dort ein anderes Zimmer zu verlangen und klipp und klar zu sagen, dass wir die Nummer 102 auf keinen Fall nehmen würden. Angeblich waren sie völlig ausgebucht, worauf wir sie daran erinnerten, dass wir immerhin schon im Januar gebucht und dieses Zimmer nicht das war, wofür wir gezahlt hatten. Die Mitarbeiter der Rezeption zeigten sich erst unnachgiebig, dann sogar ziemlich unfreundlich. Dann müsse man uns halt in eine andere Lodge umquartieren, das sei dann aber mit einer langen Fahrt verbunden - darauf sagten wir nur, dass wir diese Lodge gebucht hätten und auch hier bleiben würden. Sie sollten uns lediglich ein zweites, normales Zimmer geben. Der Manager war angeblich nicht anwesend und sie versuchten uns die ganze Zeit zum Mittagessen zu schicken, 'vielleicht' hätten sie später eine Lösung. Darauf ließen wir uns jedoch nicht ein, sondern blieben hartnäckig an der langen Theke der Rezeption und gingen auch immer mit, wenn sie woanders diskutierten. Schade, dass Cliff bereits weg war, denn er hätte ja auch die auf Swahili geführten Disskussionen verstanden und uns helfen können, unseren Anspruch noch besser zu vertreten. Ohne gute Englischkenntnisse wären wir hier allerdings völlig aufgeschmissen gewesen.

Auf einer Belegungsliste, die sie offen auf der Theke liegen hatten, sahen wir, dass darauf die Zimmer zwar schon verteilt, ein Großteil der Gäste jedoch noch gar nicht angekommen war. Wir schlugen ihnen vor, doch einem von diesen, z. B. einer Buchung eines Doppel = Einzelzimmers, wofür die Nummer 9 vorgesehen war, die Nummer 102 zu geben und uns dafür das normale Bungalowzimmer, denn den bei uns gescheiterten Versuch könnten sie ja nochmal wiederholen, vielleicht wären diese Gäste ja damit zufrieden? Doch dazu waren sie hartnäckig nicht bereit. Aber wir waren andererseits auch einfach nicht zum Gehen zu bewegen und unsere immer heftiger werdenden Diskussionen erregten auch schon einiges Aufsehen unter den ständig neu ankommenden Gästen, die alle normale Zimmer erhielten, was uns natürlich besonders ärgerte, weil die Möglichkeiten für einen Zimmertausch immer kleiner wurden.

Schließlich wurde doch auf der Belegungsliste herumgekritzelt: irgendwelche anderen, ebenfalls noch nicht angekommenen Gäste, die genau wie wir mit Private Safaris unterwegs waren und für zwei Erwachsene und zwei Kinder zwei Doppelzimmer gebucht hatten, wurden in eine 'Suite' umquartiert, so dass ein Doppelzimmer frei wurde. Nun folgten noch diverse Änderungen in der Zimmerbelegung, darunter auch das von uns ins Auge gefasste Zimmer Nr. 9, das sie uns natürlich nicht gaben. Wir erhielten stattdessen Nummer 1, das lag zwar auch ganz am Ende (bzw. Anfang) der Bungalow-Reihe und recht weit von Nr. 20 entfernt, aber es war wenigstens ein ganz normales Zimmer. Die Nummer 102 wurde allerdings merkwürdigerweise an niemand mehr vergeben.

Bungalow in der Mara Sopa Lodge - Danke an Sebastian für die freundliche Überlassung des Fotos

Nun ließen wir schnell das Gepäck von Nummer 102 in Nummer 1 umräumen und gingen dann schnellstmöglich zum Mittagessen, denn es war mittlerweile 14:05 Uhr und die Essenszeit ging nur bis 14:30 Uhr. Ich kann gar nicht beurteilen, wie das Essen schmeckte, denn ich nahm einfach irgend etwas - so erschüttert war ich jetzt im Nachhinein über die unangenehme Sache mit den Zimmern. Oben an der Rezeption hatte ich noch ganz cool das Ziel verfolgt, ein anderes, normales Zimmer zu bekommen, doch jetzt, wo alles vorbei war, kam es mir fast so vor, als habe sich alles gegen uns verschworen und ich befürchtete schon, es könne uns in den anderen Lodges genauso ergehen.

Nach dem Essen spazierten wir noch ein wenig in der Lodge herum und zeigten dabei den anderen beiden auch das Gebäude mit der Nummer 102, das sie ebenfalls als Zumutung für den vollen Preis zahlende Gäste empfanden. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Sebastian, der eine Woche nach uns auf der gleichen Safari unterwegs war, für die freundliche Überlassung des nebenstehenden, einen der Lodge-Bungalows zeigenden Fotos bedanken.

Nun setzten wir uns noch zu einem Tee bzw. Kaffee auf die Terrasse oberhalb des Pools - hier war man in der prallen Sonne und es war fast schon zu heiß. Hätten wir nicht dieses einstündige Gezackere an der Rezeption gehabt, wäre diese Mittagspause die ideale Gelegenheit zu einem Bad in dem schön angelegten Pool der Lodge gewesen, doch nun hatten wir leider keine Zeit mehr dazu, sondern mussten uns schon bald auf den Weg zu unseren Zimmern machen, wo wir Jacken, Hüte, Ferngläser und alles übrige holten, das wir für die bevorstehende Pirschfahrt brauchten.

In der zentral gelegenen Tembo-Bar trafen wir Cliff, der dort gerade einen Kaffee trank. Auf unseren Bericht über die Schwierigkeiten mit dem Zimmer sagte er, es täte ihm sehr leid, dass er nicht mehr hier gewesen sei, um uns zu helfen, aber er habe geglaubt, beide Zimmer seien in Ordnung. Es gäbe leider immer wieder Probleme mit langfristig gebuchten, dann aber 'plötzlich' nicht mehr verfügbaren Zimmern, weil bestechliche Lodgemitarbeiter Zimmer unter der Hand an Beach Boys vergäben und dann die regulären Gäste nicht mehr unterbringen könnten. Da wir ihm unseren Eindruck schilderten, dass die Gäste anderer Veranstalter ohne Probleme normale Zimmer erhielten, wärend wir und auch die Familie mit den beiden Kindern, die ja ebenfalls mit Private Safaris unterwegs waren, benachteiligt wurden, sagte Cliff, er werde dies seinem Chef bei Private Safaris berichten.

Doch nun auf zur Pirschfahrt! Kurz nach 16 Uhr fuhren wir hinunter in die Ebene, passierten einige Maasai-Dörfer und erreichten nach kurzer Zeit das Ololaimutiek Gate, durch das wir wieder ins Maasai Mara National Reserve hineinfuhren. Das Dach des Minibusses war seit dem Beginn unserer Fahrt hochgeklappt und wir hatten schon die ganze Zeit gestanden und den Anblick der Gegend in uns aufgesogen. Auch die Maasai-Dörfer und deren in leuchtend rote Tücher gekleidete Bewohner, die mit Rindern und Ziegen in der Umgebung unterwegs waren, betrachteten wir neugierig.

Wir respektierten natürlich den aus Büchern und Reisehinweisen allgemein bekannten Wunsch der Maasai, nicht fotografiert zu werden. Auf den Touri-Besuch eines Maasai-Dorfes, nur um ein paar Fotos zu schießen, hatten wir allerdings auch keine Lust. Gegen die Zahlung eines recht hohen Eintritts bekommt man das Dorf gezeigt und Tänze vorgeführt. Anschließend kann man Schmuck und anderes Kunsthandwerk kaufen und bei all diesen Gelegenheiten darf auch fotografieren werden - wobei Portraits wohl nochmals einzeln zu bezahlen sind. Obwohl wir wussten, dass dies eine der wenigen Möglichkeiten der Maasai ist, auch etwas vom Kuchen der Tourismuseinnahmen abzubekommen, schreckte uns das augenscheinliche 'Vorgeführt werden' von einem Besuch ab. Wir hatten heute schon ein oder zweimal Minibusse seitlich eines Dorfes parken gesehen. Die Touristen standen nicht weit davon entfernt dicht beisammen und eine Reihe von prächtig geschmückten Maasai kam tanzend aus dem Dorfeingang heraus. Irgendwie fanden wir dieses aus Geldnot erfolgende Herzeigen von Wohnung, Hab und Gut, Kultur und Religion peinlich, und zwar für beide Seiten. 'Zivilisierte Weiße' betrachten 'primitive Schwarze' - nein, Danke.

Gnu im Maasai Mara National Reserve

Unsere Pirschfahrt begann gleich mit einer Premiere - unsere ersten Gnus! Es waren etwa 15 Tiere, doch von diesen untersetzten, schweren, grauschwarzen Antilopen, deren Swahili-Name 'Nyumbu' lautet, sollten wir hier in der Mara noch Tausende zu sehen bekommen. Ihre Kopf-Rumpf-Länge beträgt zwischen 1,70 und 2,40 Metern und sie werden zwischen 140 und 290 Kilogramm schwer. Sie haben einen großen Kopf mit breiter Schnauze, eine nach hinten abfallende Rückenlinie, eine helle Brustmähne, die dieser Unterart der Gnus den Namen Weißbartgnu einbrachte sowie eine schwarze Rückenmähne. Ihre Schulterhöhe liegt bei etwa 130 cm. An Hals und Flanken befinden sich dunklere, vertikale Streifen. Beide Geschlechter tragen seitlich nach oben geschwungene Hörner.

Topis oder Leierantilopen im Maasai Mara National Reserve

Gleich darauf entdeckten wir noch eine weitere für uns neue Antilopenart: Topis oder Leierantilopen, die etwas kleiner als Gnus sind (Kopf-Rumpf-Länge 1,50 bis 2,05 Meter, Gewicht zwischen 75 und 160 Kilogramm). Auf Swahili heißen sie 'Nyamera'. Ihre Rücken fallen stark nach hinten ab und ihre Körper sind unverwechselbar in glänzendem Rotbraun und Schwarz gefärbt. Der Nasenrücken und die Schwanzquaste sind dabei schwarz, Schultern und Schenkel bläulichschwarz und die Beinunterteile eher gelbbraun. Auch hier tragen beide Geschlechter mittellange, geriffelte, nach hinten gebogene Hörner.

Ein männlicher Löwe, wohl gerade erst aus seiner Siesta erwacht (Maasai Mara National Reserve)

Ein kurzer Regenschauer zauberte einen Regenbogen über die mit schwarzen Flecken abgebrannten Grases gesprenkelte Landschaft. Cliff sagte, diese kontrollierten Grasbrände würden von den Maasai gelegt, um das alte, ausgetrocknete und harte Gras zu entfernen. Aus der fruchtbaren Asche sprieße nach kurzer Zeit wieder frisches Grün. Und dann lag plötzlich der König der Tiere, ein männlicher Löwe, auf Swahili 'Simba', ganz dicht vor uns. Der Regen schien ihn gerade erst aus seiner Siesta geweckt zu haben. Wir beobachteten, wie er zuerst mehrmals herzhaft gähnte und dann in aller Ruhe damit begann, sein Fell zu säubern.

Ein männlicher Löwe, wohl gerade erst aus seiner Siesta erwacht (Maasai Mara National Reserve)

Die Kopf-Rumpf-Länge von Löwen beträgt zwischen 1,45 und 2 Metern und ihr Gewicht liegt zwischen 120 und 200 Kilogramm, wobei die Männchen bedeutend größer und fast doppelt so schwer sind wie die Weibchen. Löwen sind die einzigen Katzen, die in Rudeln leben. Eine Familie besteht meist aus einem bis drei erwachsenen Männchen und bis zu 15 Weibchen mit ihren Jungen.

Ein männlicher Löwe, wohl gerade erst aus seiner Siesta erwacht (Maasai Mara National Reserve)

Ihr kurzes, graugelbes bis rötlichgelbes Fell weist vor allem bei Jungtieren runde braune Flecken auf. Ihr Kopf ist groß und breit, die Schnauze mittellang, die Ohren kurz und rund und am Schwanzende tragen sie eine schwarze Haarquaste. Die Farbtöne ihrer großen Augen reichen je nach Alter von Gold bis Braun. Die ausgewachsenen Männchen haben außerdem eine prächtige Mähne, die etwa mit zwei Jahren zu wachsen beginnt. Sie kann verschiedene Färbungen von blassgelben über rotbraune bis zu schwarzen Farbtönen annehmen und mehr als 20 cm lang werden. Diese Haarpracht schützt das Tier vor Verletzungen durch Prankenhiebe, die sein Gegner während der Revierkämpfe gegen Kopf und Hals führt.

Ein Löwenweibchen im Maasai Mara National Reserve

Nur einige hundert Meter weiter wanderte eine Löwin gemächlich auf einer Fahrspur entlang. Dank eine zweiten, diese kreuzenden Fahrspur konnte Cliff unseren Wagen parallel zu ihrer Seite manöverieren, so dass wir das schöne Tier recht lange aus nächster Nähe beobachten konnten.

Ein Löwenweibchen mit drei Jungen im Maasai Mara National Reserve

An einer anderen Stelle sahen wir eine Löwin mit drei Jungtieren, an die wir jedoch nicht besonders nahe heranfahren konnten, so dass wir für Fotos auf den großen Telebereich der Kameras angewiesen waren. Außerdem hatte sich hier bereits ein wahrer 'Pulk' von Safarifahrzeugen versammelt, weshalb wohl keine großen Chancen bestanden, dass die Löwin ihre Jungen näher an eine Fahrspur heranführen würde.

Eine Kuhantilope im Maasai Mara National Reserve

Aus einem in einer kleinen Senke gelegenen Gebüsch schauten der lange Hals und der Kopf einer hübschen Maasaigiraffe hervor, die neugierig zu uns herüberblickte. Dann trafen wir auf eine Kuhantilope, auf Swahili 'Kongoni', die in Größe und Gestalt einem Topi ähnelte, jedoch hellbraun gefärbt und vor allem mit einem völlig andersartigen Gehörn ausgestattet war, dessen Basis zuerst ein ganzes Stück aus dem Kopf aufragte und sich dann erst in die geschraubten Hörner teilte. Tatsächlich ist die Kuhantilope gute 20 bis 40 cm größer und auch etwa 40 Kilogramm schwerer als ein Topi. Auch sie besitzt einen stark nach hinten abfallenden Rücken und ihr Fell ist gelbbraun mit weißlichen Stellen an Hinterkeulen und Beinen.

Zebras im Maasai Mara National Reserve

Obwohl die Steppenzebras zu den Tierarten zählten, die wir bisher am häufigsten gesehen hatten, waren wir doch auch jetzt wieder völlig fasziniert von diesen wunderschönen Tieren, die auf Swahili 'Punda Milia' heißen, was wörtlich übersetzt 'gestreifter Esel' bedeutet. Steppenzebras haben eine Schulterhöhe von etwa 123 cm und besitzten eine gute Sehkraft. Sie leben in Familienverbänden, die von einem Leithengst geführt werden und ihre Lebenserwartung beträgt 20 bis 30 Jahre.

Eine Löwin im Maasai Mara National Reserve

Einige Zeit später ging eine Löwin ganz gelassen langsam vor uns her auf einen Platz zu, an dem schon zwei oder drei Touristenbusse standen. Dort musste also etwas besonderes zu sehen sein, das gleichzeitig auch die Löwin anzog. Kurz vorher bog das Tier zu einem seitlich stehenden Baum ab, um sich daran zu strecken und seine Krallen zu wetzen.

Wir waren übrigens schon seit unserer ersten Pirschfahrt vorgestern in Tsavo East völlig ohne Funk unterwegs und verzichteten so bewusst auf die Infos von anderen, dass hier oder da dieses oder jenes seltene Tier oder eine besondere Situation wie z. B. der Riss eines Beutetieres gesichtet worden sei. Dafür - und das war uns viel wichtiger, als in einem Pulk von anderen Touristenfahrzeugen von einem 'Großereignis' zum nächsten zu hetzen - fuhren wir so meist ganz alleine durch die Gegend, ohne dass uns das ständige Geknatter und Geschwatze aus dem Funkgerät störte. Wenn unser Bus mit abgeschaltetem Motor stand, war es mucksmäuschenstill und wir hörten nichts außer den wunderbaren Geräuschen der Natur rings um uns herum.

Löwenfamilie im Maasai Mara National Reserve

Unterdessen tauchte aus dem hohen Gras ein Jungtier auf, dessen spielerische Angriffe die Löwin nicht weiter beachtete. Weiterhin den nun zwei Tieren folgend, kamen wir schließlich an den Rand einer Senke, in der eine ganze Gruppe von Löwenbabies herumtollte. Insgesamt bestand diese Löwenfamilie aus zwei erwachsenen Weibchen, einem schon etwas größeren und fünf kleinen Löwenbabies. Wir blieben eine ganze Weile am diesseitigen Rand der Senke stehen und beobachteten das wilde Herumtollen der Jungen, die spielerisch miteinander rauften und auch immer wieder versuchten, die erwachsenen Löwinnen zum Mitspielen zu animieren. Schließlich machte sich die Familie langsam auf den Weg und erklomm den gegenüberliegenden Abhang.

Ein Wollkopfgeier im Maasai Mara National Reserve

Auf der Weiterfahrt entdeckten wir einen etwa 80 cm großen, seltenen Wollkopfgeier, der von seinem Sitz hoch auf einer riesigen Kandelabereuphorbie aufmerksam die Umgebung beobachtete. Durch seinen auffällig weißen Hinterkopf und Bauch unterscheidet er sich von allen anderen Geiern. Auch seine Beine sind mit weißem Gefieder bedeckt, während die nackten Füße genau wie das Gesicht fleischfarben bis rosa gefärbt sind. Der Schnabel des Wollkopfgeiers ist ebenfalls ziemlich auffällig: die Spitze ist rot, der hintere Bereich blau. Während erwachsene Tiere weiße Armschwingen haben, sind diese bei Jungtieren braungrau. Wollkopfgeier leben meistens alleine; nur am Aas finden sich manchmal mehrere Tiere ein.

Neben den bisher genannten Tierarten sichteten wir auf dieser Pirschfahrt außerdem zahlreiche Thompson- und Grantgazellen sowie ein leider recht weit von uns entferntes Straußenpärchen. Während wir noch auf dem Rückweg zum Gate waren, begann schräg hinter uns ein spektakulärer Sonnenunergang.

Gegen 19 Uhr waren wir zurück in der Mara Sopa Lodge, wo wir uns schnell umzogen und dann zum Abendessen ins Restaurant gingen. Dort war heute Afrikanischer Abend und wir probierten einige Kikuju-Spezialitäten, deren Namen wir uns allerdings leider nicht gemerkt haben. Eine davon war eine Suppe aus Rinderknochen und dünnen Ästen; eine Brühe, die eigentlich nur sehr nach Pfeffer schmeckte. Außerdem aßen wir von der reichlich angebotenen Auswahl der Buffets und Showkoch-Stellen gegrilltes Rindfleisch bzw. gegrillten Fisch, die beide sehr gut schmeckten.

Die Innenausstattung des Restaurants war, genau wie die gesamten Räume in den Hauptgebäuden der Lodge sehr schön gestaltet. Alles war in tiefem Maasai-Rot gehalten, mit schönen Ornamenten verziert und mit Speeren, Schilden und Masken geschmückt. Wir saßen ganz nahe an einem der großen offenen Kamine, in denen riesige Feuer loderten. Diese Feuer wurden allerdings auch dringend benötigt, denn sobald die Sonne verschwunden war, wurde es empfindlich kalt, denn immerhin befanden wir uns hier auf einer Höhe von etwa 2.000 Metern.

Maasaitanz in der Mara Sopa Lodge

Nach dem Essen wechselten wir hinüber an den Kamin der benachbarten Tembo-Bar, wo wir damit begannen, die heute geschossenen Fotos durchzuschauen und unnötige bzw. doppelte Fotos löschten. Wie schade, dass wir nichts mehr auf unser X-Drive laden konnten, denn dann hätten wir einfach alle Fotos mit nach Hause nehmen können, um die Auswahl erst dort am großen Bildschirm zu treffen.

Gegen 21:30 Uhr kam eine ausschließlich aus Männern bestehende Maasai-Tanzgruppe herein und führte etwa 20 Minuten lang traditionelle Tänze vor. Im Vergleich mit den letzte Woche an der Diani Beach gesehenen Tänzern wirkten diese Männer viel authentischer. Sie waren zwar auch mit Perlenbändern geschmückt, jedoch lange nicht so 'behangen' wie die 'Samburu-Maasai' an der Küste. Auch hier bestritten die Männer die musikalische Untermalung ihrer Darbietung ausschließlich mit ihren Stimmen und diese rythmischen Kehllaute beeindruckten uns auch diesmal sehr. Einer der Kellner, selbst Maasai, reihte sich in die Gruppe seiner Freunde ein und machte spontan mit.

Nach dem Ende der Tänze zogen wir unsere extra für diesen Zweck mitgebrachten Jacken an und gingen hinunter zum Fütterungsplatz, wo ein bereits eingeschalteter Scheinwerfer eine große, flache Metallschale und deren unmittelbare Umgebung beleuchtete. Zwischen den Bäumen und Büschen rings um die kleine Lichtung warteten schon einige Tüpfelhyänen aufgeregt auf die bevorstehende Mahlzeit. Wir hörten jedoch nur ihr charakteristisches 'Gelächter' und sahen ab und zu ein paar Schatten hin und herhuschen. Dann kamen zwei Hotelangestellte und brachten eine Tonne mit Fleischresten und Knochen, die sie in die Schale entleerten. Kaum hatten sich die Männer zum Gehen gewandt, kamen auch schon die ersten Hyänen herbei und holten sich ihren Anteil, mit dem sie dann meist schnell wieder im Dunkel verschwanden.

Einige Tiere blieben jedoch auch länger an der Futterstelle und fraßen gleich dort. Tüpfelhyänen, deren Swahili-Name 'Fisi' lautet, haben einen großen, breiten Kopf und ein dunkel geflecktes Fell, dessen Grundfarbe meist zwischen rot- gelb- und graubraun liegt. Der Rücken der bis zu 70 Kilo schweren und an der Schulter zwischen 70 und 90 cm hohen Tiere fällt zum kurzen, lang behaarten Schwanz sehr stark ab. Ihre Kiefer sind die stärksten aller Landraubtiere und auch ihre Mägen leisten außergewöhnliches: Hyänen fressen ihre Beute im wahrsten Sinne des Wortes 'mit Haut und Knochen'. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, sie fräßen fast nur Aas und Beute, die sie anderen Raubtieren abnehmen, sind sie auch erfolgreiche Jäger, die bis zu 60 Stundenkilometer schnell laufen und sich sogar an Gnus herantrauen.

Neben den Hyänen sahen wir auch einen Schabrackenschakal, auf Swahili 'Mbweha', mit seinem auffälligen, breiten schwarzen Rückenstreifen, den braunen Flanken und dem weißen Bauch. Der mit einem langen buschigen Schwanz und großen, spitzen Ohren ausgestattete Schakal traute sich jedoch nicht an die Futterstelle heran, sondern fraß nur das, was den sich mit ihrer 'Beute' entfernenden Hyänen heruntergefallen war. Die bei dieser Gelegenheit entstandenen Fotos sind wegen der ungenügenden Beleuchtung nicht wirklich vorzeigbar, man sieht darauf aber sehr gut die vielen, das Blitzlicht reflektierenden Augen der auch 'im Hintergrund' noch zahlreich anwesenden Tiere.

Jetzt war es aber höchste Zeit, um schlafen zu gehen. In dieser Lodge gab es wieder das System eines Moskitonetz-Vorhangs, den man rund um die Betten zuziehen konnte und der dadurch an Ober- und Unterseiten nicht dicht war. Deshalb hatten wir bereits am frühen Abend unsere eigenen Moskitonetze aufgehängt. Schon in den Betten liegend, wurde zuerst noch das Löschen schlechter Fotos beendet (damit wir morgen wieder den maximalen Speicherplatz zur Verfügung hatten) und dann musste ich ja noch meine Tagebucheintragungen fertigstellen. Um 23:30 schaltete ich schließlich das Licht aus.


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