Wir schauten uns nun noch in den übrigen Räumen des Tempels um. Zunächst gingen wir in den markanten, erst Anfang des 19. Jahrhunderts angebauten achteckigen Turm, in dem sich eine umfangreiche Bibliothek von etwa 3.000 wertvollen alten Palmblattschriften (Olas) befindet. Einige dieser in großen Schränken und teilweise auch in gläsernen Schaukästen verwahrten Schriften sind 800 Jahre alt. Neben goldenen Buddhastatuen fielen uns in diesem Raum auch die vielen Elefantenstoßzähne auf, die wohl von gestorbenen Tempelelefanten stammen. Hier im Oktogon stand früher ein Thron, von dem aus der König der Perahera zusehen und sich dem Volk zeigen konnte. Auch heute noch treten ranghohe Politiker bei den Festumzügen gerne auf den Balkon des Oktogons und lassen sich von der Menge feiern. Heute Abend waren die großen Flügeltüren zum Balkon zwar geöffnet, aber ein davor gespanntes Seil verhinderte, dass die Besucher auf den Balkon traten. Doch auch so fanden wir den Ausblick auf die diversen, mit vielen Glühlämpchen beleuchteten Nebentempel des weitläufigen Geländes sehr schön.
Weiter ging es zum Kataragama-Schrein. Sehr schön ist der Makara-Bogen über dem Eingang zum Schrein. Die zwei darin spiegelbildlich abgebildeten Fabeltiere bestehen jeweils aus dem Maul eines Krokodils, dem Rüssel eines Elefanten, den Ohren eines Affen, dem Leib eines Fisches, den Beinen eines Löwen, den Krallen eines Adlers und dem Schwanz eines Pfaues. Das Innere des Schreins ist mit Buddhastatuen, Stoßzähnen, kostbaren Wandbehängen und Wandmalereien ausgestattet. Auf großen Tischen hatten die Gläubigen Opfergaben in Form von kunstvollen Blumenornamenten, Unmengen einzelner Blüten und in speziellen Schalen auch Geldscheinen abgelegt.
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Wieder unten im Erdgeschoss, wanderten wir am mit reich geschnitzten und farbenfroh bemalten Balken versehenen Heiligen Schrein vorbei durch einen Innenhof zu einer großen Halle, in der Buddhastatuen und andere Geschenke an den Dalada Maligawa, so der korrekte Name des Zahntempels, aus der gesamten buddhistischen Welt ausgestellt sind. In einer Bilderfolge an den Wänden dieser Halle sind die Lebensgeschichte Gautama Buddhas und die Legende seines überlieferten Zahnes dargestellt.
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Genau wie vorhin auf unserem Weg in den Tempel, passierten wir auch jetzt beim Hinausgehen wieder zwei schöne, überreich mit Malereien und Ornamenten vesehene, tunnelartige Durchgänge. An der Schuhaufbewahrung war nicht mehr viel los, denn wir gehörten zu den letzten Besuchern, die den Zahntempel verließen. Nun schlenderten wir durch einen Teil des Tempelarreals am großen Bodhi-Baum und verschiedenen kleinen Nebentempeln vorbei, die fast alle beleuchtet waren. In den offenen Bauten saßen eine ganze Reihe von alten und vielleicht auch kranken Menschen. Die Frage, ob diese hier nur beteten oder auch übernachteten, kam uns erst später in den Sinn, als wir nicht mehr danach fragen konnten. Als wir unseren Minibus erreicht hatten, entlohnte Goldi den Guide und wir fuhren zurück ins Kandy View Hotel. Da wir hierzu wieder den halben See umrunden mussten, bot sich uns aus der Ferne nochmals ein sehr schöner Blick auf den nächtlich beleuchteten Zahntempel.
Im Hotel angekommen, wurde erst einmal zu Abend gegessen. In den letzten Stunden waren wir so sehr mit Schauen und Staunen beschäftigt gewesen, dass wir tatsächlich erst jetzt bemerkten, dass wir alle einen Riesenhunger hatten! Das Hotel bot kein Buffet an, sondern wir konnten aus drei verschiedenen Menüs auswählen und bekamen dann das beste Essen serviert, das wir bisher in Sri Lanka gegessen hatten. Nach einiger Wartezeit, während der wir bei einem erfrischenden 'Lion Lager' den ereignisreichen Tag Revue passieren ließen, kam der erste Gang: eine Cremesuppe mit Tomatenstückchen, die uns sehr gut schmeckte. Wenig später folgten ziemlich voll beladene Teller mit Fried Rice, der mit Gemüsestückchen durchmischt war, gebratenem Hähnchenfleisch in brauner, ebenfalls guter und vor allem milder Sauce, frittierten Pilzen (besonders gut!), Pommes Frittes und einer Auswahl verschiedener Gemüse, darunter Karotten und Bohnen. Zum Nachtisch servierte man uns eine Creme Caramel - lecker! Als wir später nach der Getränkerechnung fragten, winkte der Kellner ab - das sei alles im Gesamtpreis enthalten.
Gegen 22:30 Uhr waren wir in unserem Zimmer, steckten die ersten Akkus zum Laden ein, duschten noch schnell und dann nichts wie ab in die Betten! Ich schrieb jetzt noch etwa 2 Stunden lang Tagebuch, denn bei der schnellen Abfolge der heutigen Ereignisse hatte ich zwischendurch nur wenig notieren können, tauschte dann die bereits voll geladenen Akkus gegen leere aus und legte mich auch aufs Ohr. Die Akku-Tauschaktion wurde um 4 Uhr morgens nochmals wiederholt und dabei dann auch das X-Drive zum Aufgeladen eingesteckt. So hatten wir am nächsten Morgen wieder unsere gesamte Stromkapazität zur Verfügung.
Um 6:40 Uhr hieß es schon wieder aufstehen - bis jedoch die anderen drei nacheinander im Bad gewesen waren, konnte ich noch ein wenig weiterschlafen. Trotz der fehlenden Klimaanlage war die ganze Nacht über keine einzige Stechmücke im Zimmer gewesen - wir hatten allerdings auch abends das bereitliegende Insektenvertreiber-Plättchen in das Gerät und dieses in die Steckdose eingesteckt. Vom Balkon vor unserem Zimmer bot sich uns ein schöner Ausblick auf die umliegenden, bewaldeten Hänge und einen Teil der unter uns im Tal liegenden Stadt. Bevor wir jetzt zum Frühstück gingen, packten wir unsere Sachen und nahmen diese auch gleich mit, um wie gestern Abend mit Goldi verabredet, pünktlich um 8 Uhr losfahren zu können.
Leider sollte daraus nichts werden, denn es dauerte recht lange, bis wir endlich Tee und Mineralwasser serviert bekamen und dann nochmals ziemlich lange, bis man uns etwas zu Essen brachte. Einem Pärchen am Nachbartisch, das gerade seinen Tee erhalten hatte, als wir hereinkamen, erging es nicht anders und wir konnten an ihrem Beispiel abschätzen, wie lange wir wohl noch warten müssten. Das Frühstück bestand aus Toast, Butter und zwei Sorten gelber Marmelade, letztere serviert in zwei Mini-Schälchen, was für vier Personen viel zu wenig war. Außerdem war die eine Marmeladensorte so bitter, dass man sie kaum essen konnte. Kellner, bei denen man nach zusätzlicher Marmelade hätte fragen können, ließen sich vorsichtshalber erst gar nicht blicken. Erst als wir anschließend schon eine ganze Weile an der Rezeptions-Theke gewartet hatten, tauchte wieder jemand auf und wir konnten endlich auschecken.
Durch diese unnötigen Verzögerungen war es kurz vor 9 Uhr, als wir endlich in den Minibus einstiegen. Es hatte übrigens in der Nacht weiter geregnet und auch jetzt am Morgen nieselte es mal mehr, mal weniger, weshalb wir zuerst zu einem der insgesamt vier Hindutempel im Zentrum von Kandy fuhren. Leider haben wir uns dessen Namen nicht gemerkt, so dass wir heute nicht mehr sagen können, um welchen Tempel es sich handelte. Nachdem wir noch im Wagen unsere Schuhe aus- und tempeltaugliche Kleidung übergezogen hatten, hielten wir uns - wegen des Regens - nur kurz mit der Betrachtung des besonders hohen, pyramidenförmig aufgetürmten und von einem kleinen Glockenturm flankierten Götterberges über dem Eingang auf. Im von vielen Säulen gestützten Tempelinneren reihten sich zahlreiche, den verschiedenen Göttern geweihte Schreine aneinander. Die meisten waren als separate Tempelhäuschen mit eigenen, figurengeschmückten Aufbauten gestaltet.
Vor vielen dieser Schreine saßen Priester und führten für die Gläubigen, die mit ihren aus Öllichtern, kunstvollen Blumengestecken, Früchten und manchmal auch Geldscheinen bestehenden Opfergaben daneben saßen, rituelle Handlungen durch. Goldi erklärte uns, dass viele Hindus morgens in den Tempel gingen, um sich von der für ihre Arbeit oder ihr sonstiges Vorhaben 'zuständigen' Gottheit Glück und Segen zu erbitten. Die Priester kämen morgens in den Tempel, verrichteten dann tagsüber die verschiedensten rituellen Handlungen für die Gläubigen und gingen abends wieder nach Hause, genau wie jeder Arbeiter oder Angestellte auch. Ihr hochgeschätztes Amt würde normalerweise vom Vater auf den Sohn vererbt, aber manchmal würde auch ein jahrelanger Helfer zum Priester ernannt.
Da dieser Tempel erheblich größer war als derjenige, den wir in Matale besucht hatten, blieben wir nicht die ganze Zeit zusammen, sondern wanderten bald getrennt durch das weitläufige Gebäude. Als wir uns schließlich wieder trafen, trugen einer unserer Mitreisenden und Goldi (der wie wir Katholik ist) einen länglichen roten Punkt auf der Stirn. Sie hatten an einer kleinen Zeremonie 'für einen glücklichen Tag' teilgenommen. Auch in diesem Hindutempel waren wir wieder die einzigen westlichen Besucher inmitten von vielen Einheimischen.
Nun fuhren wir zum Zahntempel, um uns diesen auch einmal bei Tageslicht anzuschauen. In der lang gestreckten Parkanlage hinter der ersten Sicherheitsschleuse betrachteten wir diverse Standbilder, darunter ein Staatsoberhaupt, ein Königspaar und ein heldenhafter junger Mann (woraus seine Heldentat bestand, haben wir uns leider nicht gemerkt; ich glaube, es war Widerstand gegen die englischen Kolonisten). Mit dem prächtigen, achteckigen Turm der Palmblattbibliothek und dem goldenen Dach über dem heiligen Schrein war der schneeweiße Zahntempel ein beeindruckender Anblick.
Vor dem Tempel standen zwei Männer mit einem jungen Tempelelefanten - umlagert von einer kleinen Menschenmenge, die alle den Elefanten streichelten. Es soll Kindern Glück bringen, unter Kopf und Bauch eines Tempelelefanten hindurchzugehen bzw. -getragen zu werden und natürlich ließen auch wir uns dieses mit ein paar hundert Rupien verbundene Schauspiel nicht entgehen. Uns war bereits gestern in Pinnawela aufgefallen, dass alle Besucher - egal ob Einheimische oder Touristen - automatisch ein 'Dauergrinsen' aufsetzten, sobald sie in die Nähe eines Elefanten kamen. Auch hier war es nicht anders und wir fanden, dass dies doch eine sehr symphatische Wirkung der Elefanten auf die Menschen sei.
Nachdem wir uns noch die kunstvollen Elefantenreliefs am Eingangstor des Zahntempels angeschaut hatten, wandten wir uns dem Gelände um den heiligen Bodhi-Baum zu, um den herum zahlreiche Nebentempel lagen. Auf einer Tempelmauer saßen putzige Rhesusaffen, aber ein älterer Mann warnte uns davor, zu nahe an sie heranzugehen, denn sie seien sehr angriffslustig und bissig. Durch den gleichen Ausgang wie gestern Abend gelangten wir schließlich auf die Straße, an der wir nach kurzer Suche auch den geparkten Minibus entdeckten, in dem Goldi auf uns wartete.
Jetzt ging es über eine steil bergauf führende Straße zum oberhalb des Zahntempels gelegenen Udawattekele Sanctuary, dem ehemaligen Jagdgebiet der Könige von Kandy, das so alt ist wie die Stadt selbst. Im 16. Jahrhundert wurde das damals mehr als 400 Hektar große Waldgebiet zum Teil des Königspalastes und damit zum 'verbotenen Wald', der völlig sich selbst überlassen blieb. Nach der Eroberung Kandys durch die Engländer 1815 brauchten sie Platz für Straßen und Gebäude wie z. B. die Anglican Church und das Trinity College, für Militärkasernen und einen Friedhof. Ein Teil des ehemaligen Jagdgebietes wurde sogar in Kaffeeplantagen umgewandelt. Erst 1898 wurde der noch verbliebene tropische Regenwald, ein mit 108 Hektar nur noch etwa ein Viertel der ursprünglichen Größe umfassendes Gebiet, durch das sich bis heute nur einige im 19. Jahrhundert angelegte Spazierwege ziehen, zum Naturschutzgebiet erklärt und damit auch für die Zukunft vor menschlichen Übergriffen geschützt.
Nachdem wir am Eingang den Eintritt von 575 Rupien pro Erwachsenem gezahlt hatten (Kinder durften kostenlos hinein), ermahnten uns die Wächter, auf den Wegen zu bleiben, da bereits in den Pflanzen direkt am Wegesrand viele 'Leeches', also Blutegel, lauern würden. Nach einem Blick auf die nicht weit vom Eingang aufgestellte Übersichtstafel entschieden wir uns für den 'Lovers Walk', der auf der rechten Seite des 'Raja Pokuna' vorbeiführte. Diesen kleinen Stausee soll der letzte Singhalesenkönig als Badesee für seine Frauen und deren Gefolge angelegt haben. Eine Schildkröte, die sich wohl durch uns gestört fühlte, ließ sich schnell von einem Stein zurück ins grüngelb schimmernde Wasser gleiten. Durch die dichte Ufervegetation konnten wir hier und da ein paar Fische erkennen. Ein wohl an ebendiesen interessierter Kormoran saß auf einem niedrigen Ast und spreizte sein Gefieder zum Trocknen. Der aus bräunlichem Kies bestehende, knapp zwei Meter breite Spazierweg stieg nun stetig an und machte seinem Namen alle Ehre - auf jeder der vereinzelt stehenden Steinbänke saß ein einheimisches Liebespaar. Da es in Sri Lanka in der Öffentlichkeit verpönt (oder sogar verboten?) ist, sich zu küssen oder auch nur Händchen zu halten, bieten einsam gelegene Parkbänke jungen Paaren die einzige Möglichkeit für ein (fast) ungestörtes Treffen.
Der uns umgebende Regenwald war schon ein toller Anblick. Jeder der dicht an dicht stehenden Baumriesen war von Luftwurzeln und Schmarotzerpflanzen, meist Philodendren, umrankt. Dazwischen Palmen, Farne, Orchideen; insgesamt über 40 Pflanzenarten, alle in den unterschiedlichsten Grünschattierungen. Von überall hörte man Tierstimmen, aber in dem vom kürzlichen Regen glänzenden Blätterwirrwar konnten wir nur hier und da mal einen Vogel ausmachen, von denen hier alleine über 30 Arten leben sollen. Neben den in den drei Baumetagen des Urwaldes herumturnenden Affen soll man hier auch Chamäleons beobachten können. Die immer noch sehr große Feuchtigkeit und die nach wie vor von der Wolkendecke ferngehaltene Sonne waren wohl der Grund dafür, dass sich leider keine Schmetterlinge blicken ließen.
Obwohl wir genau darauf geachtet hatten, auch beim Fotografieren nicht in die Pflanzen am Wegesrand zu treten, wurden wir trotzdem schon bald von diversen Blutegeln 'angefallen'. Sie saßen wohl in den vielen, vom dichten Urwalddach natürlich auch auf den Weg heruntergefallenen Blättern und schnellten sich blitzschnell über die Sandalen auf unsere Füße und Beine, wo sie sich direkt an der Haut festbissen. Wegschnippen ging also nicht mehr. Aber die ekligen Biester, die man sich als glitschige, dünne Würmchen vorstellen muss, so lange hängen lassen, bis sie sich dick und rund voll gesogen hatten und von alleine abfielen? - igitt! Da wir zwar für die in der nächsten Woche geplante Tour in den Sinharaja Rainforest, nicht aber auf diesem harmlosen Spaziergang über befestigte Wege mit Blutegeln gerechnet hatten, hatten wir auch das als Allheilmittel gepriesene Salz, das man einfach auf die Egel draufstreuen sollte, damit sie von einem abließen, nicht dabei. Einzige verbleibende Möglichkeit: den Egeln 'Feuer unter dem Hintern' machen. Ein Feuerzeug fand sich zum Glück in einer unserer Fototaschen, aber es gestaltete sich sehr schwierig, die Flamme unter die Egel zu plazieren, ohne gleichzeitig auch unsere Haut zu treffen. Ließ der Egel los, wurde er schnell weggeschnippt, denn die Schockwirkung des Feuers hielt nur sehr kurz an.
Wegen der Blutegel, die wir jetzt auch manchmal an den Hosenbeinen entdeckten, von wo aus sie sich relativ einfach wegschnippen ließen, kamen wir jetzt nur noch sehr langsam vorwärts. Unsere Aufmerksamkeit war zum größten Teil auf den Boden gerichtet und unsere jüngste Mitreisende, so hart sie auch sonst im Nehmen war, geriet hier fast in Panik, denn sie war bisher von Egelbissen verschont geblieben und hatte nun große Angst, dass es auch sie erwischen würde. Unter diesen Umständen hätte die Fortsetzung unserer Wanderung niemandem mehr Spaß gemacht und nur weiteren Stress bedeutet, so dass wir kurzerhand entschieden, aufzugeben und so vorsichtig wie möglich zum Eingang zurückkehrten. Das war natürlich sehr schade, denn gerade das Udawattekele Schutzgebiet war eines unserer unbedingten Wunschziele in Kandy gewesen. Im Nachhinein betrachtet waren wir wohl zu sehr vom Vorhandensein, Aussehen und Verhalten der uns bisher völlig unbekannten Blutegel überrascht gewesen und hatten daher wohl auch viel zu heftig auf die Tiere reagiert.
Die beiden Männer am Parkeingang meinten, die anhaltend feuchte Witterung der letzten Tage sei wohl daran schuld, dass die Egel jetzt sogar auf den Wegen zu finden seien. Nachdem wir uns gegenseitig nochmals gründlich abgesucht hatten, chauffierte uns Goldi zu einem Aussichtspunkt auf einem gegenüberliegenden Berg, von dem wir einen sehr schönen Blick auf Kandy, den Kandy Lake und den Zahntempel hatten.
Ein kleines Stück bergab hatten wir vorhin auf der Fahrt hierher ein Bekleidungsgeschäft, das 'Senani Silk House' entdeckt und beschlossen nun, uns darin mal ein wenig umzusehen. Nach der Durchsicht der ausgestellten Röcke und Blusen landeten wir recht schnell bei den Saristoffen. Die äußerst freundlichen Verkäuferinnen boten uns an, mal einen richtigen Sari anzuprobieren - gesagt, getan. Aber uns war von Anfang an klar, dass wir keinesfalls Saris kaufen wollten, denn wo hätten wir diese denn zu Hause anziehen sollen? Es blieb allerdings die Möglichkeit, sich aus einem Saristoff ein aus Bluse und Rock bestehendes Kleid schneidern zu lassen - und die Stoffe hier waren wirklich sehr schön.
Nach einigem Hin und Her, netten Gesprächen mit den hier arbeitenden Mädchen und auch sehr viel Gelächter hatten wir schließlich drei verschiedene Stoffe herausgesucht. Der Schneider nahm unsere Maße und begann dann sofort mit dem Zuschneiden, denn die fertigen Kleider sollten uns bis 17 Uhr zum nur einige Kilometer außerhalb Kandys gelegenen Botanischen Garten nachgebracht werden. Der Preis, den wir letztendlich für die Kleider zahlten, war sicherlich zu hoch, aber die ganze superfreundliche, dabei alles andere als aufgesetzt wirkende Atmosphäre hier war wie ein seelisches Fußbad gewesen, so etwas hatten wir noch nie erlebt und es war uns daher auch dieses Geld wert.
Jetzt durchquerten wir nochmals das Zentrum von Kandy und fuhren zum etwa sieben Kilometer entfernten, in einer Flussschleife des Mahaweli Ganga auf einer Höhe von 550 Metern über dem Meer gelegenen Botanischen Garten von Peradeniya. Bereits im 14. Jahrhundert ließ König Vikrama Bahu II an dieser Stelle einen mit Lustgärten umgebenen Palast erbauen, der auch von seinen Nachfolgern gerne genutzt wurde. Um 1821, also etwa 6 Jahre nach dem Fall des Königreichs Kandy, richtete der Engländer Alexander Moon auf dem Gelände den ersten Botanischen Garten mit westlichem Gemüse und Obst sowie einigen Gewürzen und Nutzpflanzen wie z. B. Gummibäumen ein, der in den nächsten 20 Jahren hauptsächlich der Versorgung der Kolonialisten mit gewohntem Obst und Gemüse diente.
Während dieser Zeit verwilderte der Garten immer mehr und wurde erst 1844 von George Gardner, dem ersten Botaniker in der Position des Gartenchefs, wieder instand gesetzt und erheblich erweitert. Er reiste kreuz und quer über die Insel und brachte alle Arten einheimischer Pflanzen nach Peradeniya. Den Weltruhm, den der Garten heute genießt, begründete 1849-1857 G. H. K. Twhaites, der ihn nochmals vergrößerte und um eine Vielzahl tropischer Pflanzen aus der ganzen Welt bereicherte. Zwischen 1880 und 1896 stand der Garten unter der Leitung von Henry Trimen, ebenfalls einem begeisterten Botaniker, dem die weitere Umgestaltung des Geländes zu verdanken ist.
Heute gilt der 60 Hektar große Botanische Garten von Peradeniya mit seinen etwa 4.000 unterschiedlichen Pflanzen als einer der schönsten und umfassendsten Botanischen Gärten in ganz Südostasien. Der vom 'Sandfluss' Mahaweli Ganga herbeigeschaffte, mineralreiche Schwemmboden ist ideal für das Gedeihen der vielen Tropenpflanzen aus einheimischer und exotischer Flora. Aber auch Pflanzen der gemäßigteren Klimazonen fühlen sich hier sehr wohl. Daneben ist der Park auch ein ausgezeichnetes Vogelrevier und Rastplatz für tausende von Flughunden, einer großen, Früchte fressenden Fledermausart.
Nachdem der Minibus geparkt war versuchten wir vergeblich, Goldi dazu zu bewegen, mit hinein zu kommen und sich im dortigen Restaurant zum Mittagessen einladen zu lassen. Also zogen wir schließlich alleine los. Zunächst drehten wir eine kleinere Runde im östlichen Teil des Gartens, bei der wir neben den unterschiedlichsten Pflanzen mit vielen schönen, farbenprächtigen Blüten auch diverse Vögel und Schmetterlinge fotografieren konnten.
Dann betraten wir das große Orchideenhaus mit unzähligen, wunderbar blühenden Orchideen, die uns einen kleinen Einblick in die äußerst artenreiche einheimische Orchideenwelt gewährten. Nun folgten diverse Gewächshäuser, darunter eines voller Kakteen und Sukkulenten. Alle diese Häuser waren nur mit Bastabdeckungen gegen die sengende Sonne und statt Fensterscheiben nur mit vergitterten Wänden ausgestattet (gegen gefräßige Tiere oder auch gegen ungewollte Bestäubung, etwa durch Vögel?), denn warm gehalten oder gar geheizt werden brauchte hier ja wirklich nichts. Inmitten der von hübschen Blumenrabatten eingefassten Rasenfläche des Blumengartens stand ein originelles, aus einem völlig von Rankpflanzen überwucherten Eisengestell bestehendes, kreisrundes Gebäude. In seinem halbdunklen Inneren befanden sich Farne und andere besonders schattenliebende Pflanzen.
Wir betrachteten die exotischsten Bäume wie z. B. einen aus Malaysia stammenden Tembusu-Baum, der hier in Peradeniya einmal jährlich geschnitten wird, um die konische Form zu erhalten. Eine Gruppe von Gummibäumen aus dem indischen Assam, ein Feuerbaum aus Madagaskar sowie in Sri Lanka heimische Bäume wie der Mahagonibaum, der Sandelholzbaum und diverse Palmenarten wie die Arecanusspalme, die Kokosnusspalme, die Palmyrapalme und die Ceylon Screw Pine. Ein origineller Kerzenbaum aus Mittelamerika, dessen lange gelbe Früchte wirklich wie Kerzen direkt vom Stamm und den Ästen herabhingen und viele andere interessante, mal mittelgroße, mal riesig hohe Bäume - man kann sie unmöglich alle aufzählen. Sehr schön fanden wir auch die Palmyrapalmenallee.
Doch nun war erst einmal Mittagessen angesagt. Auf der Terrasse des an der Ostseite des 'Great Lawn' gelegenen Restaurants bekamen wir einen Tisch mit schönem Ausblick auf die drüben am anderen Ende der großen Rasenfläche gelegene, riesige Javaweide und die sich anschließende lange Reihe von hohen, vom Wind ganz krumm und schief gedrückten, irgendwie 'japanisch' aussehenden Bäumen (leider haben wir uns deren Namen nicht notiert). Auf der Speisekarte des als 'italienisch' ausgewiesenen Restaurants fanden sich ganze zwei Nudelgerichte, ansonsten gab es nur singhalesisches Essen. Wir bestellten Reis mit Gemüse und Ei, Salatteller und Pommes Frites, was sich alles als sehr wohlschmeckend erwies.
Nach dieser erholsamen Pause machten wir es genau wie viele der - übrigens überwiegend einheimischen - anderen Besucher und gingen quer über den großen Rasen hinüber zu der 1861 gepflanzten Java-Weide. Dieser gigantische Ficus Benjamini bedeckt mit seinem Haupt- und mehreren, aus den Boden berührenden Ästen hervorgegangenen Nebenstämmen mittlerweile eine Fläche von über 1.600 Quadratmetern. Unter dem Blätterdach des wie ein riesiger Pilz wirkenden Baumes bewunderten wir die vielen weit verzweigten Äste.
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